Wir, für die Welt unserer Kinder!

Letzte Woche habe ich Walnüsse gesammelt. Seit dem letztem Jahr ist das Walnüsse sammeln eine Tradition geworden. Dabei sammele ich gar nicht viele. Nur eine Hand voll. Es beginnt bereits mit dem Spaziergang von meiner Wohnung zu den prächtigen Bäumen. Ich habe das große Glück, auf den Weg an Haselnusssträucher vorbei laufen zu können. Weiter, finde ich knochige Birnenbäume, die bereits mehrere Jahre alt sind. Auf den Feldern kann ich große und kleine Kürbisse entdecken. Kastanienbäume und prall gefüllte Apfelbäume durchkreuzen meinen Weg. So lerne ich vieles. Es war ein herrlicher Herbsttag. Die Sonne leuchtete mir den Weg zu den Walnussbäumen. Wenn ich die Nüsse gesammelt habe, kehre ich zurück nach Hause. Dort wasche ich sie gründlich und lege sie zum Trocknen in eine luftdurchlässige Schale ans Fenster oder unter die Heizung. Es kann ein paar Tage dauern, bis ich sie zum Verzehr schälen kann. Und wenn ich dann mit der ganzen Arbeit fertig bin, weiß ich den Wert eines Walnussbaums wieder zu schätzen. Sowie auch all die anderen Herbstfrüchte.

 Nachdem man einen Walnussbaum gepflanzt hat, braucht er zehn bis zwanzig Jahre. Erst dann beginnt er die ersten Früchte zu tragen. Ich kann nur wage schätzen, wie alt die riesigen Bäume sind. Vielleicht dreißig Jahre?

Morgen werde ich in den Laden gehen und wieder Walnüsse kaufen. Und weil ich jetzt weiß, wie lange es dauert, bis ein Baum die ersten Früchte trägt, wie mühsam es sein kann, die Früchte zu sammeln, zu putzen, zu trocknen und anschließend zu schälen, werde ich sie wohl bewusster genießen. Neben ihrem hohen Fettgehalt, hat sie unglaublich viele wichtige Vitamine. Sie ist eben nicht nur eine Kalorienbombe sondern auch ein Vitaminspeicher bis ins hohe Alter. Die beste Altersvorsorge.

Ein paar Tage später, erzählte ich Freunden von meiner herbstlichen Tradition. Als ich erfuhr, dass sie, ebenso wie ich vor wenigen Jahren, nicht wirklich über einen Walnussbaum bescheid wussten, machte mich das ängstlich. Wir wissen Bescheid, wie wir einen Computer benutzen, wie wir das Navigationssystem am Smartphone bedienen. Doch wir wissen immer weniger von dem Wichtigsten, was uns Mutter Natur gibt.

 Nahrung.

Wenn wir schon jetzt  größtenteils nicht mehr wissen, wie man Bäume und Pflanzen pflegt, wie man sie regelmäßig zurück schneidet, wie und wann man ihre Früchte erntet und sie weiter verarbeitet, wie wird es dann in der nächsten Generation aussehen? Wer wird sich zukünftig um unsere Ernte kümmern, wenn keiner mehr weiß, wie es geht? Was werden unsere Kinder später essen? Wenn wir ihnen jetzt bereits vorleben, dass es effizienter ist eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben als sie mit frischen Zutaten selbst zu backen? Nur, damit sie schneller zurück an ihr Smartphone können? Werden unsere Kinder später Pizza aus einem 3D Drucker essen? Und wie kommen sie an die wertvollen Vitamine? Pillen? Und die Natur? Lassen wir sie verkümmern, weil wir unfähig sind uns um SIE zu kümmern?

Gandhi hat einmal gesagt: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“  

Wollen wir unsere Kinder in diese Welt schicken? Vielleicht wollen wir mit unseren Kindern eine Tradition ins Leben rufen, wie diese? Es kann auch ein Ausflug auf einen Bauernhof sein. Einmal selbst eine Kuh melken.

 Wir, für die Welt unserer Kinder.  

Nicht jeder kann Bauer werden. Doch ich kann die Bauern und deren Arbeit schätzen und ich kann ihnen zuhören und von ihrem Wissen lernen? Damit ich wenigstens einigermaßen Bescheid weiß, mache ich jedes Jahr diesen Spaziergang. So, denke ich, werde ich den Respekt nicht verlieren. Respekt vor Mutter Natur und vor den Menschen, die sie pflegen.

 

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