Winterlandschaft besuchen

Ich schau gerade aus dem Fenster und bemerke. Vor einem Monat, es war ein Februartag, war es genauso verregnet und grau, wie heute. Und eigentlich sollte es Schnee geben? Kinder sollten Schlitten fahren können? Autofahrer sollten sich ärgern können, weil sie eine gefühlte Ewigkeit brauchen das Auto von den Schneemassen zu befreien? Wir sollten uns mit Schneebällen bewerfen können? Doch in und um Stuttgart nur kalter, nasser Regen.

Eigentlich wollte ich über die Entstehung von Wandbilder schreiben. Darüber, wie ihr eure Lieblingsstücke mit einfachen Hilfsmittel, fotografisch in Szene setzen könnt. Doch dieser Beitrag erscheint mir sinnvoller. Denn die schönsten Bilder entstehen draußen in der Natur. Die schönsten Erinnerungen fangen wir unterwegs ein. Und wie ihr diese in Szene setzen könnt, darüber werde ich schreiben.

Mein Schatz und ich haben uns entschieden, das Wochenende im Allgäu zu verbringen. Wir buchten ein Wellnesshotel in Oberstaufen. Und die Fahrt war nur zwei Stunden entfernt. Ich packte natürlich wieder meine Kamera ein. Auch beim Wellness weiß man nicht, ob sich eine Landschaft auftut, die es wert ist fotografiert zu werden. Letztlich war ich sehr froh, über diese Entscheidung.

Schon auf den Weg veränderte sich die Landschaft mehr und mehr. Für uns war es ein Genuss, diesen Wetterwechsel zuzuschauen, während wir uns vom Strom des Autobahnverkehrs treiben ließen. Aus matschigen Regen wurde Schnee. Der Schnee legte sich mehr und mehr auf die Erde nieder. Irgendwann sahen wir keine grünen Wiesen mehr und auch die knochigen Bäume waren vollends mit Schnee bedeckt. Runter von der Autobahn, weiter auf den Weg der Landstraße, waren wir bereits im Allgäu. Der Schnee lag mittlerweile meterhoch. Und das Schönste daran war. Durch das weiße Glitzern der Schneemassen, durchströmten uns Glückshormone. Wie bei Sonnentagen. Wir hatten beide seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr so viel Schnee gesehen. Und das auch nur, weil wir uns nie die Mühe machten, ein Stück raus zu fahren. Ich zähle zu den Wintermuffeln. Solche, die sich zu dieser Jahreszeit lieber wie ein Igel im Warmen verstecken und erst im Frühjahr wieder raus kommen wollen. Doch wieviel schöne Zeit wir dadurch verlieren? Wieviel Zeit wir durch unsere eigene Trägheit verlieren?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Oberstaufen angekommen, waren wir im Wellnesshotel Concordia untergebracht. Es war ein gemütliches Hotel, was zwar schon etwas in die Jahre gekommen ist und eine neue Renovierung nötig hätte. Aber durch sehr freundlichen Service und phantastischem Essen solche Nichtigkeiten weck macht. Den ersten Tag verbrachten wir nur im Wellnessbereich. Sauna, Schwimmbad und dann auf den Liegen ausruhen. Herrlich! Von den letzten Wochen waren wir sehr erschöpft. Diese Auszeit haben wir uns verdient. Doch vor meinem inneren Auge taten sich einige Fotospots auf, an denen ich gerne fotografieren würde. Das Klima ändert sich in den letzten Jahren drastisch. Die Frage liegt da doch nahe. Wie lange werden wir noch solch eine prachtvolle Schneelandschaft sehen?

Während ich auf meiner Liege entspanne, studiere ich im Internet die Einstellungen meiner Kamera, bei einer Winterlandschaft.

  • Iso: 100 – 200
  • Blende: 8 – 11
  • Belichtungszeit: ca 1/400s
  • Belichtungskorrektur: +0,5 bis +2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzteres muss man deshalb auf Überbelichtung stellen, weil der Schnee sehr hell ist. Die Kamera wertet das als eine zu hohe Lichtempfindlichkeit und fotografiert das Bild dunkler. Jedoch macht das den Schnee teilweise nicht mehr weiß, sondern grau.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In solch einer Situation, wenn ich mich wider mal in meine Leidenschaft vertiefe, bin ich sehr dankbar meinen lieben Freund Thomas an meiner Seite zu wissen.  Er liebt die Fotografie ebenso wie ich und versteht mich deshalb sehr gut. Er ist mir bei dem Thema ein sehr guter Gesprächspartner und seine Meinung ist mir sehr wichtig geworden. Nach einem entspannten Tag und einem köstlichen 5 Gang Menü am Abend, haben wir den Tag zufrieden ausklingen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 2

Ich bin ein hoffnungsloser Frühaufsteher. Zu Hause gehe ich oft schon früh spazieren, damit ich meinen Liebsten nicht störe. Warum sollte es da in einem Wellnesshotel auch anders sein? Ich schnappte meine Kamera und ging raus an die frische Morgenluft. Die weiße Winterlandschaft war so früh am Morgen noch mit Nebel bedeckt, der sich mehr und mehr zum Horizont schob. Riesige Eiszapfen hingen an den Dachrinnen herunter. Autos waren teilweise vom Schnee zugeschneit. Ich hatte die Idee, Oberstaufen von oben zu fotografieren, gemeinsam mit dem Nebelschleier im Hintergrund. Bei den riesigen Schneemassen, war es gar nicht so leicht den Weg zu finden. Doch ich fand ein Weg der hoch auf einen Berg in einen Waldstück führte. Ich stieg ihn hinauf und machte von oben meine Aufnahmen. Dabei nutzte ich mein neues Wissen, welches ich mir ein Tag zuvor angeeignet hatte. Ich machte hier und da noch ein paar Aufnahmen, bis mich mein Hunger an das Frühstück mit meinen Liebsten erinnerte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Also stiefelte ich zufrieden wieder zurück ins Hotel, wo Thomas mich putzmunter begrüßte. Wir frühstückten ausgiebig und besprachen, wie wir es immer beim Essen tun, den Tag. Beide waren wir uns einig. Wir wollten nicht den ganzen Tag Wellness machen und rumliegen. Für Thomas war es gestern schon zu viel des guten. Und obwohl es mir gestern sehr gut getan hat, wollte ich viel lieber gemeinsam mit Thomas die Gegend erkunden und die Schneelandschaft genießen. Das, was wir am liebsten machen. Raus gehen! Den Vormittag besuchten wir noch ein gebuchtes Wohlfühlbad, genossen eine Saunasitzung und anschließend machten wir uns frisch und munter auf den Weg. Wir machten einen Spaziergang in die Innenstadt. Schlenderten durch die kleinen süßen Geschäfte, die viel zu teuer aber schön anzusehen waren. Aßen einen Crêpes mit Eis und fuhren später mit dem Auto zum Albsee. Noch ein erhoffter Foto Spot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Fotografie ist es allgemein bekannt, dass die Mittagssonne viel zu grell für interessante Aufnahmen ist. Das war auch der Grund, weshalb wir erst später zum Albsee gefahren sind. Jedoch haben wir überschätzt , dass A die Tage im Winter viel kürzer sind und B die Berglandschaft zusätzlich die Sonne zu schnell verschluckt. Somit ist der Sonnenuntergang am Albsee sehr spärlich ausgefallen. 16.30 Uhr war schon fast zu spät. Also mussten wir das Licht nehmen, was wir kriegen konnten und das Beste draus machen. Am Ende waren die Bilder zwar nicht so, wie ich es mir erhoffte aber sie waren auch nicht schlecht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzten Endes zählt, wie immer, die Zeit, die wir dort gemeinsam genossen haben. Am Abend genossen wir wieder ein üppiges Abendmahl und versprachen uns solch eine Winterlandschaft zukünftig wieder zu besuchen. Nächstes Jahr. Zufrieden und mit schönen Erinnerungen in der Speicherkarte fuhren wir am nächsten Morgen nach Hause. Dieses Wochenende hat mir wieder bestätigt, wie wichtig es ist, den Richtigen an seiner Seite zu wissen. Einen, der mich in meiner Eigenzeit leben lässt und den ich Raum für seine Eigenzeit gebe. Und in den richtigen Momenten sind wir Eins. Das ist Glück und Zufriedenheit. Solche Momente sollten ausgedruckt werden und an die Wand. Damit man sich immer an diese Momente, an dieses Glück erinnern kann.  Ich wünsche Dir auch so einen Menschen!

 

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