TRAU DICH!


 

Trau dich! dachte ich, als ich meinen ersten Hochzeitsauftrag bekam.

Wenn sich Liebe zu einer festen Partnerschaft entwickelt, ist für viele Paare der nächste Schritt die Ehe. Auch für Alina und Oleg begann ein großes Versprechen, für eine gemeinsame Zukunft. Und diesen schönen Tag wollten die beiden natürlich festhalten. Durch Empfehlungen erfuhren die Beiden, dass ich fotografiere und bereits eine Hochzeit fotografisch begleitet habe. Meine Bilder gefiel den beiden und desshalb fragten sie mich, ob ich ihre Hochzeit fotografieren möchte. Für mich war es eine große Ehre, doch ich war mir auch der Verantwortung bewusst. Schließlich würde ich dieses mal nicht meine Freunde fotografieren, sondern fremde Menschen. Das ist ein Unterschied. Ich spielte also mit offenen Karten und erklärte den beiden, dass ich kein Profi bin. Dass ich aber alles geben würde, für ihre wunderbaren Fotografien.

Für die beiden war das kein Problem. Durch gemeinsame Bekannte, wussten Sie, dass ich gewissenhaft und zuverlässig bin. Ich bot den beiden an, ihre Hochzeit den ganzen Tag zu begleiten. Somit hatte ich auch die Möglichkeit weiter Praxiserfahrung zu sammeln. Als Gegenzug darf ich die Bilder für weitere Werbung verwenden. Hochzeit- Shooting, kirchliche Trauung und die Hochzeitsfeier standen für mich auf den Plan. Meine Gefühle waren gemischt. Einerseits freute ich mich riesig auf den Tag, andererseits hatte ich unglaublich großen Respekt vor dieser wichtigen Aufgabe zu stehen. Schließlich ist es für Oleg und Alina ein ganz besonderer Tag.

Vorbereitung

Bevor also der große Tag starten konnte, war die Vorbereitung mein höchstes Gebot. Denn wie ich nun mal bin, überlasse ich höchst ungern den Dingen, dem Zufall. Bei meinen menschlichen Fotografien steht für mich die Persönlichkeit jedes Einzelnen im Vordergrund. Ich möchte Emotionen und Gefühle einfangen. Das macht für mich die Fotografie so spannend und gleichzeitig braucht es Zeit. Deshalb war es mir wichtig mit dem Hochzeitspaar ein Kennlerngespräch zu führen. Wir wählten eine Umgebung, bei denen sich beide wohl fühlten. Im Hohenheimer Garten in Stuttgart. Da das Hochzeitspaar mit dem Hohenheimer Gärten emotional verbunden ist, wünschten sie sich auch dort das Hochzeitsshooting. Bei einem entspannten Spaziergang erzählten die beiden mir, wie sie sich kennenlernten, wie sie lebten und wie sie sich ihre gemeinsame Zukunft vorstellten. Sie erzählten von ihrer bevorstehenden Hochzeit und wie sie sich Ihren Tag vorstellten. Dabei zeigten sie mir immer wieder ihre Lieblingsplätze. Ich konnte mit jeder Silbe ihre Liebe spüren und wie sehr sie sich auf den Tag freuten. Für mich ist es eine Freude zuzusehen, wenn zwei Menschen sich gefunden haben. Alina und Oleg blicken in die gleiche Zukunft, stützen sich dabei mit ihren Unterschiedlichkeiten, die zusammen eine Einheit bildet.

Nach unserem Ausflug in den Park, machte ich mir akribisch Notizen und Skizzen. Ich hatte bereits eine genaue Vorstellung, wie und wo ich die Beiden fotografieren möchte und genau das schrieb ich auf. Wie ein Koch, der seine Rezepte plant, plante auch ich meine Fotorezepte. Anschließend fuhr ich zur Kirche. Sie war zwar verschlossen, aber als ich im Pfarrerhaus nachfragte, bekam ich netterweise den Schüssel. Ich studierte im Kopf die Helligkeit der Kirche, die Größe, Position des Brautpaares- des Pfarrers – der Gäste und meine möglichen Positionen. Dann schaute ich mir aus dem gleichen Grund das Panoramarestaurant an. Dort sollte die Feier statt finden. Das ist meine Eigenzeit. So bereite ich mich auf meine Aufgaben vor. Denn danach habe ich ein besseres Gefühl, alles für schöne Hochzeitserinnerungen getan zu haben.

Tag der Hochzeit

Shooting

Wenn es irgendwie möglich ist, dann sollte man es vermeiden ein Fotoshooting in der Mittagssonne zu machen. Zu hartes Licht, zu harte Schatten. Bei einer Hochzeit kann man das nicht immer vermeiden. Bei dieser Hochzeit war die kirchliche Trauung 15 Uhr. Mit Friseurbesuch, Kleid und Anzug anziehen, war es unvermeidlich, das Shooting in die Mittagszeit zu legen. Der Himmel hat den Beiden einen sonnigen Tag geschenkt. Also nutzen wir die schattigen Bäume, meinen Reflektor und viel Kreativität. Alina und Oleg brachten ihre Freunde und Trauzeugen mit. Ich bat sie, mir zu helfen. Kleid richten, Reflektor halten. Das lockerte zusätzlich die Stimmung, weil sich niemand überflüssig fühlte.  Wir hatten alle riesigen Spaß. Alina sah in ihrem Kleid wunderschön aus und Oleg wirkte in seinem stattlichen Anzug wie ihr persönlicher Ritter. Diese Aufgabe wird er nun jeden Tag von Herzen erfüllen.

kirchliche Trauung

Anschließend fuhren wir zur Kirche. Ich fuhr vorraus. Als ich dort ankam, waren bereits Gäste da. Ich stellte mich als Fotograf der Hochzeit vor und stellte dabei fest. Dank meiner langjährigen Erfahrung im Hotel und im Einzelhandel, komme ich auch bei einer Hochzeitsgesellschaft schnell in Kontakt. Ich nutze die Zeit um Vertrauen aufzubauen. Manche Menschen fühlen sich vor einer Kamera nicht wohl. Ich wollte möglichst gut diese Barriere brechen. Und das schaffte ich, indem ich mit den Gästen sprach und ihnen dabei in die Augen schaute. Bei kleinen Gästen (Kinder) gehe ich möglichst immer in die Hocke, mache kleine Scherze und zeige ihnen das ein oder andere Foto in meiner Kamera. Danach wollen die meisten Kinder andauernd fotografiert werden. Und das ist gut so. Denn keiner möchte sich später Bilder von mürrischen Gästen anschauen.

In einem Gotteshaus ist der Pfarrer der Gastgeber und wir sind seine Gäste. Er sorgt dafür, dass wir uns in seiner Kirche  wohlfühlen und ebenso sollten wir seine Regeln respektieren. Wenn es also die Bitte eines Pfarrers ist, das ich beim Fotografieren möglich dezent sein soll um die Zeremonie nicht zu stören, dann werde ich seine Bitte respektieren. Ich weiß, dass es Fotografen gibt, die alles für ein guten Foto tun würden. Doch meine Philosophie ist: menschliche Gefühle stehen immer vor ein gutes Foto. Für solche Situationen gibt es Teleobjektive und eine Kamera die auch bei hohen ISO-Werten eine gute Bildqualität hat. So kann der Pfarrer ungestört seine Rede halten, keiner sieht aufgrund des Blitzgewitters Sternchen und die Bilder bekommen einen romantischen Tatsch. Bei jeder Hochzeit, die ich bisher erlebte, war für mich der schönste Augenblick,der Augenblick der Freude nach der Trauung. Der Teil, wenn sich alle in den Armen liegen, Freudentränchen an den Wangen runter kullern und sich alle für das Hochzeitspaar freuen. Das sind für mich die schönsten Fotos. Nachdem ich alle für ein gemeinsames Gruppenfoto begeistern konnte und die schönsten Momentaufnamen im Kasten hatte, fuhr ich weiter zum Panoramarestaurant.

Auf meinen Beifahrersitz hatte ich mir einen kleinen Snack und Wasser zurecht gelegt. Das war auch gut so. So konnte ich immer einen Energieschub zu mir nehmen. Denn zum Essen kam ich sonst gar nicht.

die Hochzeitsfeier

Vor dem Panoramarestaurant wurden für Alina und Oleg bereits weiße Brieftauben vorbereitet. Im Restaurant wurde alles mit sehr viel Liebe zum Detail eingedeckt und dekoriert. Da es eine russische Hochzeit war, würde der Abend sehr viele traditionelle Programme bieten. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung und ich konnte nicht mehr tun, als mich im Strom treiben zu lassen. Eine Hochzeitsfeier besteht aus vielen spontanen Situationen. Und ist nochmal fotografisch eine ganz andere Herrausforderung als ein Shooting oder eine Trauung in der Kirche. Da gibt es die Tauben, Tradition mit Salz und Brot und andere Traditionen, die festliche Tafel und der spätere Tanz mit wechselden Lichtefekten. Ich ließ mich auf den wunderschönen Abend ein, mischte mich unter die Gäste und schoss hier und da ein spontanes Foto. Als Fotograf solltest du immer Augen und Ohren offen halten und versuchen auch mit den Veranstalter, DJ´S und Kellner in Kontakt zu treten. So weißt du, was als nächstes geschehen wird und kannst in ruhigen Phasen nochmal die Akkulaufzeit deiner Kamera checken und dein Equipment kontrollieren. Das Brautpaar wird spätestens jetzt keine Zeit mehr für dich haben. Wenn ich Fragen hatte, stellte ich sie den Trauzeugen. Ich hielt mich in der nähe des Hochzeitpaares auf, band aber immer die ganze Hochzeitsgesellschaft in meine Fotoserie ein. Denn wer will schon in einem Hochzeitsalbum nur das Paar sehen? 1 Uhr morgens fuhr ich zufrieden und ängstlich zugleich nach Hause. Zufrieden? weil meine Vorbereitung eine große Hilfe war, weil Alina und Oleg sehr glücklich wirkten und alle einen wunderschönen Tag hatten und weil ich wunderschöne Erinnerungen für die Beiden im Kasten hatte. Ängstlich? Weil ich, wie wahrscheinlich jeder Fotograf den Horrorgedanken in mir trug, das meine Speicherkarte kaputt sein könnte, alle Bilder gelöscht oder defekt sein könnten. Das wäre eine Katastrophe, die zum Glück nicht eingetreten ist.

Nachbereitung

Denn jetzt begann die eigentliche Arbeit für die ich nochmal zwei Tage brauchte. Da ich einen Hauptjob habe, konnte ich die Arbeit erst eine Woche später erledigen. Alina und Oleg traten ihre Flitterwochen an, somit hatte ich genug Zeit. Was ein Fotograf nach einem Hochzeitsauftrag tut, dafür gibt es auf You Tube bereits viele Tutorials. Mein Blogbeitrag soll nicht noch so einer werden. Desshalb nehmt es mir nicht übel, das ich dieses technische Detail auslasse. Mir geht es bei diesem Beitrag “Trau Dich” ehr darum, euch Mut zu machen.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit der Fotografie und stoße dabei immer wieder auf neue Herrausforderungen. Ich habe mit der Fotografie meine Eigenzeit gefunden, mein Leben außerhalb von äußerlichen Verpflichtungen. Und ich bin dabei immer wieder über mich hinaus gewachsen und ich wachse noch immer. Was ihr in zukünftigen Beiträgen lesen könnt. Mein Ziel ist es, euch Mut zu machen. Sucht etwas, was euch begeistert. Egal was es ist, es muss nicht die Fotografie sein. Es kann alles sein, was Ihr euch wünscht. Ich glaube ganz fest daran, wenn wir alle das tun, was unserem Herzen gut tut, dann wird unsere Gesellschaft daran wachsen. Ich konnte Alina und Oleg viele schöne Erinnerungen schenken, weil ich selbst dabei Freude hatte. Und wenn du etwas mit Freude tust, dann profitieren auch deine Mitmenschen.

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