Insel Kreta “Wandern durch die Samaria- Schlucht” (Mai 2015)

Kennt ihr das?
Ihr seid mit einer Gruppe von Freunden im Urlaub und habt diesen Drang, etwas ganz Bestimmtes unternehmen zu wollen. Doch keiner eurer Freunde teilt eure Entdeckungslust.

Mir ging es so, auf Kreta. In einem Veranstaltungsbüro, in dem Ort Gouves entdeckte ich das Plakat „Samaria Schlucht“. Von etwa 1200 Höhenmetern hinab wandern, durch eine der längsten Erosionsschluchten Europas, machte mich neugierig. Was ich da wohl entdecken würde? Wie die Landschaft dort wohl aussieht und welche Pflanzen dort um diese Zeit wohl noch blühen würden?
Doch der Bus sollte mich frühmorgens 5:20 Uhr abholen. Da ist es doch klar, dass meine Freunde mich wie eine Außerirdische anstarren, als ich sie mit der Idee konfrontierte. Wenn man mal genau darüber nachdenkt. Wie bescheuert ist das eigentlich, im Urlaub frühmorgens- ach, was sage ich- nachts, um halb fünf aufzustehen, um knappe 4 Stunden mit den Bus zu fahren und dann etwa 6 Stunden zu laufen.
Nach gerade mal einer Stunde Schlaf, ich hatte mich noch nicht an mein Bett gewöhnt und die Mücken hatten anscheinend großen Gefallen an mir, quälte ich mich knätschig aus meinem Bett. Ich bereute es bereits.
Susanne, lege dich einfach wieder hin, dachte ich. Dann kannst du mit den anderen aufstehen, gemütlich frühstücken, ans Meer gehen und dich von der Sonne brutzeln lassen.
Und dann wirst du dich ewig fragen, wie es wohl gewesen wäre. Also beweg deinen Hintern.
Nach deutscher Pünktlichkeit stand ich 20 Minuten vor der angegebenen Zeit an der Bushaltestelle von Gouves. Nach griechischer Pünktlichkeit kam der Bus 20 Minuten nach der angegebenen Zeit. Eine deutsche, freundliche aber auch bestimmte Reiseleiterin begrüßte mich. Ihre Empfehlung, zu schlafen hat jedoch nichts genützt. In solchen Fällen wünsche ich mir immer ein Mann zu sein. Denn wenn man den Gerüchten glaubt, können die selbst im Stehen schlafen, wenn se müde sind. Im Bus saßen ein kleiner Teil Franzosen, Holländer und ein größerer Teil Deutsche. Ich setzte mich neben zwei Mädels (Geschwister) Anfang zwanzig.
Wir drei verstanden uns auf Anhieb gut. Die beiden machten sich ein wenig Sorgen um ihr wanderuntaugliches Schuhwerk. Ich zeigte ihnen meine Turnschuhe. Und als wir schließlich im Bus eine Sandalenbesitzerin entdeckten, mussten wir lachen.
Nach zwei Frühstückspausen kamen wir circa Zehn Uhr in Xyloskalo an. Dort wurden unsere Eintrittskarten verteilt und dann ging es auch schon hinab in die Schlucht. Ich lief mit den Schwestern Anna und Silke mit. Bereits zu Anfang wurden wir überwältigt von den riesigen“ weißen Bergen“, wie sie genannt wurden. Sie ragten so hoch, dass sie uns die Sicht in die Ferne versperrten. Auf ihren Gipfeln lag noch der Restschnee vom letzten harten Winter. Laut Barbaras Erzählung war der Schnee diesen Winter bis zu dreißig Meter hoch. Stunden lang führte der Weg bergab. Die Berge um uns herum begannen uns langsam, immer enger zu umarmen. Wir liefen vorbei an prächtige Kiefern- und Zypressenwälder. Auch syrisches Gliedkraut gab es. Jedoch nicht mehr mit den gelben Blüten. Viele Pflanzen hatten bereits ihre schönste Blütephase hinter sich. Sowie auch die Orchideen, deren Blätter nur noch an ihr Dasein erinnern. Wen es interessiert: Syrisches Gliedkraut wird in getrockneter Form als „kretischer Bergtee“ angeboten. Siehe Reiseführer *grins*.
Aber als wir vor einer beachtlich großen Pflanze mit einem auffällig lila farbenden Stachel standen, zuckten Anna und ich begeistert unsere Kameras. Die Pflanze trägt den Namen, Drachenwurz und verteilte sich auf unseren ersten Rastplatz Neroutsiko. Der Platz war schön. Man hatte von dort eine wunderschöne Aussicht ins Thal, einen Brunnen um die Getränkeflaschen zu füllen und WC`s.
Wasserstellen und WC’c gibt es dort übrigens zu genüge. Lediglich ein Lunchpaket und eine kleine Wasserflasche sollte man dabei haben.
Der Platz stank nur leider widerlich. Unsere Vermutung, dass es an den Toiletten läge, dementierte Barbara. Sie zeigte auf den Drachenwurz, den wohl wahren Übertäter. Ich konnte es gar nicht glauben, so eine Schönheit mit solch einen Gestank zusammenzubringen. Aber wer weiß das schon so genau. Von uns Frauen meinen Männer ja auch, das wir Rosenblätter… .

Wir liefen weiter. Noch immer bergab. Unsere Businsassen waren längst nicht mehr zu sehen. Anna und ich haben uns anfangs zu sehr mit dem Fotografieren aufgehalten, sodass wir befürchteten, die letzte Fähre um 17.30 Uhr zu verpassen. Wir mussten einen Zahn zulegen. Anna und Silke teilten sich einen Rucksack und wechselten sich geschwisterlich mit dem Tragen ab. Zum Glück hat Anna schließlich den treibenden Pat übernommen, sonst würde ich mit Silke womöglich heute noch die Schlucht durchlaufen. Es gab einfach viel zu viel zu bestaunen. Obwohl man meinen müsste das 6 Stunden ausreichen, fehlte doch die Zeit um die landschaftliche Schönheit für immer aufzusaugen.
Trotz, dass der Weg nicht wirklich einem Weg ähnelte, sondern vielmehr einem Trampelpfad glich, konnte man sich nicht verlaufen. Es ging einfach nur geradeaus und bergab. Ständig mussten wir über den hinab führenden Fluss laufen und von Stein zu Stein springen wie Bambi. Noch einen Monat früher hätte man die Schlucht nicht durchlaufen können. Da der Fluss noch zu tief gewesen wäre. Die Tiefe des Flusses ließ sich an den Steinen erahnen. Sie waren vom Wasser und der Strömung meist rundlich geschliffen und hatten eine gräulich bis weiße Farbe.
Hin und wieder trafen wir auf Ranger mit ihren Mulis. Sie sorgen dort für Ordnung und bergen verletzte Wanderer. Durch das ständige hinab laufen merkte ich nach 10 Km das Stöhnen meiner Kniee. Auch leichte Kopfschmerzen machten sich bemerkbar. Der Schlafmangel der letzten Nacht wollte mich nicht unbestraft davon kommen lassen. Die Mädels spürten ebenfalls die Anstrengung der Wanderung. Mit unseren weichen Solen merkten wir jeden Stein. Wir drei fragten uns, wie es wohl der Sandalenträgerin geht. Die nächsten Kilometer versuchten wir uns gegenseitig zu puschen. Mit Erfolg. Die letzten drei Kilometer führte der Weg zum Glück nur noch geradeaus. Die mächtigen Felswände kuschelten sich immer näher an uns. Barbaras Rat, da keine Rast zu machen, war gut gemeint und lebenswichtig. Denn ab und an vielen von oben Steine zu uns hinab. Das Warnschild hatte seine Berechtigung.
Wir waren jedenfalls froh, als wir am Check Point ankamen. Unsere Füße qualmten, meine Kniee schmerzten, wir schwitzten und klebten und hatten einen Bären Hunger. Von dort aus war es noch ein Kilometer bis nach Agia Roumeli. Dort aßen wir einen dicken fettigen Burger und tranken eine eiskalte Cola. Dreiundzwanzig Uhr war ich zurück in Gouves. Fix und fertig aber glücklich und zufrieden. Meine Freunde saßen lustig beisammen. Auch sie haben ihre Zeit genutzt. Als Familie oder Paar, in kleinen oder größeren Grüppchen, am Meer oder in Form eines Ausfluges, oder einfach nur für sich am Pool liegend und in einem Buch versunken. Jeder braucht seine Zeit und möchte seinen Interessen gerecht werden. Umso schöner ist es, wenn alle am Abend wieder zusammen finden und jeder seine Geschichte erzählen kann.
Bei einem Raki oder zwei 😉
„Jamas“

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